Sie befinden sich hier: Post-Polio-Syndrom / Primäreffekte und Spätfolgen nach Polio / Wie beeinflussen Polio-Spätfolgen mein Leben?

Wie beeinflussen Polio-Spätfolgen mein Leben?

50.000 bis 70.000 Betroffene in Deutschland

Nach einer Befragung in den USA, gaben etwa 22 % der Menschen, die früher wegen akuter Polio hospitalisiert waren, an, jetzt neue Symptome entwickelt zu haben.

Nachdem dieselbe Gruppe aber einige Jahre darauf in einer zweiten Studie, die zusätzlich neurologische und elektro-physikalische Tests einschloß, noch einmal untersucht wurde, ergab sich, daß doch immerhin 65 % Erfahrungen mit den Polio-Spätfolgen gemacht hatten.

Auf der Grundlage dieser Untersuchungen und entsprechenden Hochrechnungen wurde geschätzt, daß in Deutschland zwischen 50.000 und 70.000 Betroffene unter den Spätfolgen einer Polio leiden könnten.

  • 35 bis 40 % der Betroffenen berichten nicht über Spätfolgen-Symptome. Trotzdem sollten Sie aber informiert sein, wenn bei Ihnen doch plötzlich die geschilderten Symptome auftreten.
  • Am häufigsten (zwischen 42 und 87 %) wurde über Schmerzen, Müdigkeit und Schwäche berichtet, wobei man sich auf verschiedene Überblicke und klinische Studien beziehen kann.
  • Über Muskelkrämpfe (45 %) und Muskelzuckungen (41 %) wird in einer australischen Studie unter Einbeziehung von Mitgliedern einer Post-Polio-Selbsthilfegruppe berichtet.
  • Ungefähr 1/3 der Untersucher berichtete über sensorische Verluste oder Veränderungen (z. B. den Verlust der Schmerzempfindung, des Tastsinnes usw.). Das ist ein unerwarteter Befund, da man annahm, daß nur die motorischen Funktionen vom Polio-Virus angegriffen wurden. Ein Drittel der Patienten berichtete auch über Schlafstörungen.
  • Etwa 1/4 hatte respiratorische Probleme und Schwierigkeiten beim Essen und Schlucken.

Wie häufig sind diese Symptome?

Bei der Untersuchung von Mitgliedern einer australischen Post-Polio-Selbsthilfegruppe fand MARY WESTBROOK heraus, daß die meisten Leute ihre Lebensaktivitäten verändern mußten. 16 % waren vorzeitig in den Ruhestand getreten oder erhielten eine Pension. Von den zur Zeit der Befragung noch Beschäftigten, waren 42 % gezwungen, ihre Arbeitsstelle zu wechseln oder ihre Tätigkeit zu verändern.

Wieviel Zeit vergeht? - Durchschnittlich 30 Jahre!

Die Zeit zwischen der akuten Phase und der anschließenden Stabilisierung bis zum Auftreten neuer Symptome wird mit durchschnittlich 30 Jahren angegeben (5 bis 40 Jahre nach der akuten Infektion).

Der Beginn ist gewöhnlich langsam und stufenweise fortschreitend. Untersuchungen besagen, daß nur ein sehr geringer, aber doch stetiger neuromuskulärer Abbau bei allen Menschen, die einmal Polio hatten, statt findet, aber daß nicht alle von den Symptomen Notiz nehmen. Der Grad der Wahrnehmung ist sicher auch von der Schwere der Symptome abhängig (Schmerz, neue Muskelschwäche).


Verschlechterungen in Prozenten - je nach Art der Aktivität


Verschlechterungen in Prozenten - je nach Art der Aktivität
Beanspruchungen durch Arbeit, Haushalt und tägl. Aktivitäten 74 %
Treppensteigen 68 %
Gehen auf ebener Fläche 55 %
Aufstehen und Zubettgehen 32 %
Bad- oder Duschbenutzung 31 %
Ankleiden 28 %
Toilettenbenutzung 18 %
Nahrungszubereitung 7 %